Wie ich zur Malerei kam und was die Malerei für mich mit Theaterarbeit gemein hat

Ich bin vor einigen Jahren mit der Malerei in Berührung gekommen, zu einem Zeitpunkt, als meine Arbeit als Schauspielerin in den Hintergrund rückte und ich in einen Vertriebsjob wechselte, um den Lebensunterhalt für meine Tochter und mich zu sichern. Der Vertriebsjob macht Spaß und gibt mir die Möglichkeit zu gestalten, meine Freude an Kommunikation einzubringen, kreativ zu sein. Dennoch spüre ich damals, dass es noch mehr braucht, um neben dieser Tätigkeit meiner Kreativität Raum zu geben. Durch einen Workshop lerne ich das intuitive Malen kennen. Ich bin von der Idee begeistert, malen zu dürfen, ohne ein tolles Ergebnis erzielen zu müssen. Ich will damals einfach nur malen, mit Farben spielen, verschiedene Materialien und Techniken ausprobieren. Die Malerei tat mir gut, entspannte mich, ich tankte auf, ich konnte etwas ausdrücken auf eine für mich ganz neue Art und Weise.

 

Mit 12 Jahren bin ich mit dem Theater in Berührung gekommen (später Schauspielausbildung und Ausbildung zur Theaterpädagogin). Das Theater war für mich immer Spielwiese, Experimentierfeld, Entfaltungsmöglichkeit. Auf der Bühne konnte ich alles sein, was ich mich im "normalen" Leben nicht getraut habe. Ich lernte meine Ausdrucksmöglichkeiten und meine Begrenzungen kennen und durfte sie immer weiter ausdehnen. 

 

In der Malerei entdeckte ich mit der Zeit immer mehr Parallelen zu meiner früheren Theaterarbeit. Auch in der Malerei kann ich spielen, mich ausprobieren, kann meinem Gefühl, meinem Erleben Raum geben, kann draufgängerisch und ungestüm an ein Bild herangehen oder feinfühlig und zaghaft. Ich kann mit unterschiedlichen Dynamiken spielen, mit Gegensätzlichkeiten, mit Fragen, die mich beschäftigen, ich kann intuitiv  - also aus dem Bauch heraus - in den Prozess einsteigen oder auch ganz technisch und mich dann über die Technik wieder in den Moment zurückholen lassen. Ich kann mit Wiederholungen spielen oder mit Musterunterbrechungen, kann mich herausfordern mit der Reduzierung meines Werkzeuges oder mit neuem ungewohnten Material. Die Art, wie ich male, erinnert mich oft an Theaterimprovisationen. Es gibt so viele unterschiedliche Herangehensweisen, so vieles, das ich immer wieder entdecke und ausprobieren möchte. Der Entstehungs- und Entwicklungsprozess ist das eigentlich Spannende. Und die Bilder, die auf diese Weise entstehen, vergleichbar mit einer Theaterrolle, die Schritt für Schritt aus einer Reihe von Improvisationen hervorgeht. Ich empfinde die Malerei als Fortsetzung meiner künstlerischen Arbeit.

 

Als ich eines der Bücher von Gerald Hüther entdeckte "Rettet das Spiel" war ich tief berührt, weil es mir so sehr aus der Seele sprach. Ich habe das Spielen/Experimentieren (sowohl am Theater als auch in der Malerei) immer als aufregend empfunden, habe das Potential gespürt, das in ihm liegt, etwas Neues zu entdecken durchs spielerische Ausprobieren. Aussteigen aus dem Funktionieren des Alltags und einen Raum der Möglichkeiten zu betreten.  

 

"Wenn wir zu spielen aufhören, hören wir auf, das Leben in all seinen Möglichkeiten zu erkunden.

Und damit verspielen wir die Potentiale, die in uns stecken."

(Hüther, Gerald, 2018, Verlagsgruppe Random House GmbH, 1. Auflage, "Rettet das Spiel, Seite 17)

 

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